Topic-icon Filtergrabenoptimierung: Ebbe-Flut-System

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20 Jul 2021 15:41 #32591 von Lohschneider
Also ich werde meinen Schwimmteich so umbauen, werde auch nicht mehr schwimmen, sondern rein zur Energiegewinnung einsetzen. Ich berichte wie es läuft...

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20 Jul 2021 21:47 #32592 von Chemiker
ad "Wenn du soviel abpumpst, dass die Wurzeln atmen können...also rund 80 cm, dann sitzt alles auf dem Trockenen. Und bei den Dingen, die Kiemen haben, wirds dann kritisch."

Wurzeln hast du überall im gefluteten Bereich im Filtergraben. Wenn Du die Pumpe anstellst sinkt dort das Wasser ab, sagen wir um 3 cm (exakt wäre es die Menge, die im Kreislauf gebunden ist und noch nicht zurückgeflossen ist). Die Wassermenge, "die unterwegs ist" geht IMMER beim Pegel des Filtergrabens ab, geht gar nicht anders. Und trotzdem vertrocknet kein Fischlein. Erst wenn die Pumpe (beispielsweise nach 12 Stunden) abgestellt wird und nichts mehr wegsaugt, erst dann dürfte die Absenkung wieder mit Rücklauf aufgefüllt werden.
Läuft die Pumpe 24 Stunden ununterbrochen dann fallen diese 3 cm Absenkung dauertrocken und dort situierte Wurzelhaare und Mikroorganismen vertrocknen.
Läuft die Pumpe aber, sagen wir eine Viertelstunde und dann eine halbe Stunde NICHT, dann fällt die Absenkung eine Viertelstunde trocken und wird dann für eine halbe Stunde wiederbelebt und aktiviert. Und damit wird der "Absenkraum" mit den dortigen Wurzeln für die Nährstoffaufnahme optimiert.
Besser wäre es natürlich wenn der "Absenkraum" größer wäre (wenn der Rücklauf verzögert wird), denn je mehr Wurzelraum für die Wurzelatmung aktiviert wird, desto besser die Nährstoffaufnahme (Wasserpflanzen versorgen ihre Wurzeln zwar etwas diffiziler mit Sauerstoff als Landpflanzen, mit zusätzlicher Belüftung müsste aber das Wachstum trotzdem besser sein). Beide Systeme könnte Norbert in einem Pflanzenaquarium testen und vergleichen. Versuch macht kluch.

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20 Jul 2021 21:57 #32593 von Chemiker
Wer sich in die Hydroponik vertiefen will, dem empfehle ich das beste Buch am Markt:
William Texier: Hydroponik leicht gemacht – Alles über Pflanzenanbau im Haus. Verlag Mama Editions, Paris, 2015, ISBN 978-2-84594-087-1
Wer Aquaponik im Hausgarten probieren will (also Fischwasser nutzen, Ammonium zu Nitrat umwandeln, damit Pflanzen hydroponisch ohne Erde bewässern und das Rücklaufwasser wieder zu den Fischen): Thomas Rücker: Aquaponik im Eigenbau

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21 Jul 2021 06:22 #32598 von Alfons-Teich
Hallo Chemiker,

Deine theoretischen wissenschaftlichen Betrachtungen in allen Ehren. Du solltest aber auch den Blick auf die Rahmenbedingungen lenken.
Den größten Anteil an der Pflanzenwachstumsaktivierung wird das Nährstoffangebot haben.
Danach (oder gleichauf) wird die Belichtung liegen.
Nicht unwesentlich ist die Wassertemperatur (weshalb Du Dir genauer überlegen solltest, warum Du 3 m tief bauen willst).
Den größten Anteil an Nährstoffbindung haben die Unterwasserpflanzen. Denen sind die Wasserstandsschwankungen völlig egal.
Die Pflanzenwurzeln, die Du mit Deiner Ebbe belüften willst, stecken im Flachwasserbereich im Bodensubstrat/Sand. Der bleibt durch Kapillareffekt feucht, ob dadurch mehr Sauerstoff an die Wurzeln kommt, wage ich zu bezweifeln.
Die Fläche, auf der der Ebbe-Flut-Zyklus zur Wirkung kommen kann, ist schätzungsweise 3% der Filterteichfläche. Du kannst das gern mit ausgefeilten Differenzial- oder Integralrechnungen konkretisieren.
Durch normale tägliche Verdunstung bekommen alle Teichfreunde mindestens 5-10 cm Wasserstandschwankungen, je nach dem, wann es wieder regnet oder wie akribisch jemand kontrolliert und auffüllt.
Zum Schluss noch eine rein praktische Erfahrung: Pumpen verschleißen im Intervallbetrieb um ein Vielfaches schneller, als wenn sie kontinuierlich durchlaufen. Von den (biologischen) Problemen in den trockenfallenden nachgeschalteten Filterstufen reden wir erst im Spezialisierungskurs.

So, und jetzt gehe ich zu Lohschneider und optimiere mit ihm sein System. 150% Wirkungsgrad sollten mindestens möglich sein.

Gruß
Alfons

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21 Jul 2021 08:20 #32601 von the_farmer

Alfons-Teich schrieb: Hallo Chemiker,



So, und jetzt gehe ich zu Lohschneider und optimiere mit ihm sein System. 150% Wirkungsgrad sollten mindestens möglich sein.

Gruß
Alfons


Ich habe meinen Fischen befohlen, nur noch zusammen im Kreis zu schwimmen. Wie ihr merkt, läuft die Zeit bereits langsamer. Ab heute Abend dreht sich die Erde dann rückwärts. Ab dem Beginn des Klimawandels sollen sie dann wieder richtig rum schwimmen!
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21 Jul 2021 11:35 #32604 von Chemiker
ad "Den größten Anteil an der Pflanzenwachstumsaktivierung wird das Nährstoffangebot haben."
Yep. Darum geht es ja.

"Nicht unwesentlich ist die Wassertemperatur (weshalb Du Dir genauer überlegen solltest, warum Du 3 m tief bauen willst)."

Soweit ich weiß gibt es bei diesen geringen Wassertiefen eine nächtliche Wasserumschichtung. Sprich das Wasser mischt sich binnen 24 Stunden, die Temperaturschichtung in solchen Seichtbereichen tritt kaum auf (aber Praktiker mit Messfühlern sind immer klüger). In tiefen Seen ja, aber in flachen Teichen?!?

"Die Pflanzenwurzeln, die Du mit Deiner Ebbe belüften willst, stecken im Flachwasserbereich im Bodensubstrat/Sand. Der bleibt durch Kapillareffekt feucht, ob dadurch mehr Sauerstoff an die Wurzeln kommt, wage ich zu bezweifeln."

Fällt der Flachwasserbereich wegen der Pumperei völlig trocken (also der Pegel unter die Sandoberfläche) oder wird die "Flachwassertiefe" geringer? In beiden Fällen bekommen Wurzelbereiche mehr Sauerstoff ab. Aber wenn die Fläche nur 3% ist zahlt sich das nicht so aus als wenn der ganze Filtergrabenwasserstand um x cm abgesenkt würde.

Wegen des Verschleißes bei Intervallbetrieb wäre natürlich ein Dauerbetrieb besser. Das hydroponische System könnte dann nur bewerkstelligt werden, indem der Wasserspiegel des gesamten Filtergrabens in fischverträglichem Maß abgesenkt wird und das Rücklaufwasser zuerst ein pflanzenfreies Becken füllt, das sich im Schwallbetrieb (mit Siphonglocke) entleert und dadurch den (laufend entwässerten) Filtergraben wieder auffüllt. Eine Spielerei, wenn die Optimierung der Nährstoffentfernung gewünscht wäre. Ist es aber anscheinend nicht.

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